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"Copy & Paste Lösungen gibt es nicht"

Die Wirkungen des eigenen Handels absehen zu können gehört für Prof. Dr. Georg Zollner zur Nachhaltigkeit (Foto: Fabian Sommer)
Die Wirkungen des eigenen Handels absehen zu können gehört für Prof. Dr. Georg Zollner zur Nachhaltigkeit (Foto: Fabian Sommer)

[10|03|2017]

Nachhaltigkeit ermöglicht für Prof. Dr. Georg Zollner, in Zukunft bessere Entscheidungen zu treffen, als wir es heute tun

 

Was kann ein klassisch ausgebildeter Betriebswirt heute jungen Leuten über Wirtschaft erzählen? Prof. Dr. Georg Zollner ist da unentschieden: „Was unseren Wohlstand die letzten 50–60 Jahre ausgemacht hat, kann man nicht mit Copy und Paste in die Zukunft übertragen. Doch wie sieht die Alternative dazu aus? Diese Fragen muss man stellen und die Antworten stehen in keinem Textbuch“, so Zollners Ausgangspunkt. Und da spricht er ganz als Beauftragter für „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) der Hochschule München – eine Rolle, die er erst kürzlich übernommen hat.

 

Nachhaltigkeit als systemisches Denken

"Bildung für nachhaltige Entwicklung" bedeutet für Zollner vor allem, den Entscheidern von morgen Handlungskompetenzen mitzugeben. Ihnen zu ermöglichen, bessere Entscheidungen zu treffen, als wir sie heute treffen können. Neben rein fachlichen Gesichtspunkten seien auch soziale, Umwelt- aber auch ökonomische Aspekte wichtig. Zur Lösung von Klimakrise, Finanzkrise und Flüchtlingskrise sind Lösungen der heutigen Welt nicht gut genug. Nachhaltigkeit sieht Zollner vor allem synonym zu systemischem Denken: „Am Schluss hängt alles zusammen. Wenn ich mich so entscheide, welche Konsequenzen hat es? Es gibt Technikfolgenabschätzung, aber keine Wirtschaftsfolgenabschätzung. Warum nicht?“

 

Handlungskompetenzen für Nachhaltigkeit

Zollners Aufgabe als BNE-Beauftragter ist im Bereich Lehre angesiedelt, dem Geschäftsfeld von Vizepräsident Prof. Dr. Klaus Kreulich. Beide haben das Ziel, Nachhaltigkeit im Absolventenprofil der Hochschule fest zu verankern. Neben den aktuellen Lehrveranstaltungen , die bereits Fachwissen und Kompetenz in nachhaltigem Handeln vermitteln, soll es neue Lehrformate geben.

 

Die Wirkung eigener Entscheidungen zu reflektieren gehört für Zollner als Lernziel dazu: „Wenn ich als Designer ein neues Handy gestalte, das man nicht mehr aufschrauben oder reparieren kann, muss ich die Wirkungen meines Handelns erfassen können.“ Damit meint er nicht nur die wirtschaftliche Ebene, sondern auch ökologische oder soziale Folgen. Beispielsweise verkürzt sich die Nutzungszeit von Handys, da schwach gewordene Akkus nicht mehr selbst ausgetauscht werden können. Gleichzeitig sind kostengünstigere, gebrauchte Geräte eventuell unattraktiver, da man sie ebenfalls nicht einfach mit einem neuen Akku versorgen kann. Diese Art von Reflexion komme bei reiner Wissensvermittlung bisher zu kurz.

 

Nachhaltigkeit durch interdisziplinäres Lernen

Das zweite wichtige Standbein der Nachhaltigkeit ist die Interdisziplinarität. „Solange Kaufleute nur unter Kaufleuten sind, Ingenieure nur unter Ingenieuren und Sozialwissenschaftler unter Sozialwissenschaftlern, entstehen keine neuen Fragen. Wenn aber ein Sozialwissenschaftler einem Ingenieur oder einem Kaufmann eine Frage stellt, sind auf einmal neue Fragen auf dem Tisch“, so der Professor. Die Antworten auf diese Fragen seien oft nicht trivial. Doch Fragen außerhalb des eigenen Fachgebiets zuzulassen gehöre mit zum Thema Nachhaltigkeit. Dieser Part wird vor allem in fakultätsübergreifenden Sonderformaten abgedeckt: An Planspielen oder Simulationen des Lehrprogramms ZUG "Zukunft gestalten" können bereits heute Studierende aus allen Fakultäten teilnehmen.

 

Wissenserwerb mit Nachhaltigkeit koppeln

Zollner möchte den bestehenden Kurskatalog erhalten und weiter ausbauen. Bei neuen Kursformaten wünscht er sich fakultätsübergreifende Angebote. Die Freiräume in Curricula sollen Wissensvermittlung mit nachhaltiger Kompetenzvermittlung koppeln. Was mit dem Kompetenzprofil Nachhaltigkeit wirklich gemeint ist, soll in Zukunft klarer herausgearbeitet werden, mehr Studierende ermutigt werden, sich mit damit auseinander zu setzen.

 

Wie kann man also Nachhaltigkeit in die eigene Bildung integrieren? „Für mich ist Studium eine Lebensphase, in der man Gelegenheit hat, noch einmal über den Tellerrand zu schauen“, sagt Zollner. „Man sollte neue Dinge erleben, sich ausprobieren und Gebrauch von Möglichkeiten der Hochschule machen. Später in Praxis gibt es oft keine Freiräume mehr, um sich mit diesen Themen intensiv zu beschäftigen.“

 

Cathrin Cailliau

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