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Design: Gesellschaft mitgestalten

Insekten als Nahrung der Zukunft? Lösungen zu gesellschaftlichen Problemen zeigten AbsolventInnen der Fakultät für Design (Foto: Fabian Sommer)
Insekten als Nahrung der Zukunft? Lösungen zu gesellschaftlichen Problemen zeigten AbsolventInnen der Fakultät für Design (Foto: Fabian Sommer)

[04|08|2017]

Auf der Jahresausstellung der Design-Fakultät zeigten die AbsolventInnen 2017 ihre Abschlussarbeiten

 

Flexible Raumgrenzen für Großraumbüros, ein Food Truck mit Insekten als Nahrungsquelle der Zukunft, eine Fotoreportage über das Gärtnern in Gemeinschaft oder ein Rahmen für eine neue Stadtteil-Identität: So weit war die Bandbreite der Arbeiten, die interessierte BesucherInnen treppauf, treppab in den zwei Gebäuden der Design-Fakultät der Hochschule München bei der Jahresausstellung 2017 erkundeten.

 

Trennen und verbinden, Kommunikation und Intimität: Der Raumverbinder von Manuel Steffan (Foto: Fabian Sommer)
Trennen und verbinden, Kommunikation und Intimität: Der Raumverbinder von Manuel Steffan (Foto: Fabian Sommer)

 

Aktiv Privatsphäre oder Kommunikation ermöglichen

Manuel Steffans Problemstellung: Was macht Raumgrenzen heute aus? Die Wand, ein Archetypus der Raumgrenze – statisch und abweisend –, hat für den Absolventen in Industriedesign jedenfalls heute ausgedient. Mit „Connecting Space, Connecting People“ entwickelte er einen flexiblen Raumtrenner für Großraum-Büros. „Jeder hat die Wahl zwischen zwei aktiven Zuständen: Lade ich zur Kommunikation ein, setze ich mich kurzzeitig auf den Raumtrenner und spreche mit anderen. Wünsche ich Privatsphäre, ziehe ich den Trenner aus EPP-Schaum, der federleicht ist und Obertöne schluckt, nach oben.“

 

Rahmen für das „Kreativquartier“ von Marie-Luise Ivandic: Stiften Kontakte zwischen Menschen – virtuell und im wirklichen Leben (Foto: Fabian Sommer)
Rahmen für das „Kreativquartier“ von Marie-Luise Ivandic: Stiften Kontakte zwischen Menschen – virtuell und im wirklichen Leben (Foto: Fabian Sommer)

Rahmen anbieten für die Identität eines Stadtteils

Wie kann ein Stadtviertel, das erst im Entstehen ist, stadtweit eine eigene Identität aufbauen, die mit der Zeit und den Nutzern geht? Für das zukünftige „Kreativquartier“ in Neuhausen/Schwabing West entwickelte Marie-Luise Ivandic ein visuelles Erscheinungsbild, das die Leute auch in der Öffentlichkeit zusammenbringt. Sich überlagernde Rahmen werden auf Plätzen zu bunten Steckelementen, die sich für Kinderspiel, Sitzgelegenheiten und gemeinsame Neugestaltungen durch die NutzerInnen selbst verwenden lassen: „Branding ist hier nicht als Stempel gemeint, sondern als gemeinsamer Prozess angelegt“, so die Kommunikationsdesignerin.

 

Ekel oder Genuss, wo liegt die Grenze? Stefanie Strick beschäftigte sich mit Nahrungstabus und deren Überschreitungen auf unserer kulturellen Landkarte (Foto: Fabian Sommer)
Ekel oder Genuss, wo liegt die Grenze? Stefanie Strick beschäftigte sich mit Nahrungstabus und deren Überschreitungen auf unserer kulturellen Landkarte (Foto: Fabian Sommer)

Gefühlskompass zur Ernährung durch Insekten

Welche Lösungen gibt es für die Ernährung der Weltbevölkerung in Zukunft? Mit „Entomophagie“, der Ernährung mit eiweißreichen Insekten wie Mehlwürmern oder Heuschrecken, beschäftigte sich eine Absolventin des Masters „Advanced Design“. Stefanie Strick lotete in „Ekel und Genuss“ die Grenzen kultureller Prägungen aus: „Das Essen von Insekten ist bei uns noch immer eine Gratwanderung zwischen Abscheu und Nervenkitzel“, so die Designerin. An ihrem Foodtruck lud sie zum Selbstversuch und bot selbst gebackene Tacos aus Mehl von Würmern an.

 

Gemeinsam gärtnern – Julia Schäfer besuchte Projekte weltweit (Foto: Fabian Sommer)
Gemeinsam gärtnern – Julia Schäfer besuchte Projekte weltweit (Foto: Fabian Sommer)

Gemeinschaftliches Gärtnern zwischen Not und Lust

In einem dicken Band: Fotos von lauen Sommerabenden, Leute, die gärtnern, ernten oder einfach nur zusammen sitzen – auf den Hochhausdächern New Yorks, in Münchens Straßenzwickeln oder in Boston, MA. Julia Schäfer ging der Geschichte des gemeinschaftlichen Gärtnerns nach: „Aus dem Gärtnern aus purer Not auf Brachflächen mitten in Nordamerika in den Siebziger Jahren wurden Gärten zu Orten der Begegnung und des Lernens. Ich habe versucht, nicht nur einfach mit der Kamera zu dokumentieren, sondern mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Das war eine tolle Erfahrung“, so die Foto-Design-Absolventin.

 

Das Auto der Zukunft? Neue Ideen in Sachen alternative Antriebe und Gestaltung entwickelten Sebastian Bekmann und seine TeamkollegInnen. (Foto: Fabian Sommer)
Das Auto der Zukunft? Neue Ideen in Sachen alternative Antriebe und Gestaltung entwickelten Sebastian Bekmann und seine TeamkollegInnen. (Foto: Fabian Sommer)

Semesterprojekte

Achthundert Sachen sollten neu gestaltete Wagen einer Studierendengruppe mit alternativen Antrieben auf den Tacho bringen – so die Aufgabenstellung des Kooperationspartners Mercedes. Auch Semesterprojekte wie dieses aus dem Bereich ‚Transportation Design‘ zeigten Studierende auf der Jahresausstellung.

 

Sebastian Bekmanns Lösung „Ionic Flow“, der auf einen Ionen-Antrieb und gestalterische Kontraste setzte, war als Modell zu sehen. „Ich habe in diesem Projekt, bei dem Studierende jedes Semesters zusammenarbeiten, vor allem viel über die Arbeit im Team gelernt“, so der Industriedesign-Student Bekmann. „Das ist unersetzlich für den Berufseinstieg in meinen Wunschbereich später“.

 

In einem anderen Raum präsentierten Studierende aus dem Industriedesign neu entwickelte Hilfsmittel, die sie speziell auf die sinnliche Wahrnehmung ihrer Nutzer zuschnitten: Rollatoren, die sich auch bei Gelenkproblemen einfach verstellen lassen, oder Systeme, die beim autonomen Fahren die Fahrenden – bereits vor der Übernahme des Steuers – durch vibrierende Sitze darauf aufmerksam machen, was sich auf der Straße tut.

 

Design: Komplexe Aufgaben, konzeptionelle Lösungen

Die Bandbreite der gezeigten Arbeiten der Design-AbsolventInnen lässt sich als Beleg der diversen Bachelor-Studienrichtungen – Fotodesign, Industriedesign und Kommunikationsdesign – sowie des Masters „Advanced Design“ deuten. Oder ganz anders.

 

Denn so unterschiedlich die Arbeitsergebnisse, so ähnlich scheint die Arbeitsweise der AbsolventInnen. Durchgängig setzen sie sich mit gesellschaftlich relevanten und komplexen Problemen auseinander, die sie nicht nur gestalterisch lösen, sondern auch konzeptionell – um damit gesellschaftliche Prozesse mitzugestalten.

Die Unterschiedlichkeit der Ergebnisse also eher ein Zeichen der Zeit, des Arbeitens in einer komplexen Welt, die nur über vielfältige Perspektiven in den Blick zu bringen ist.

 

Die Jahresausstellung 2017 war der Abschied der Fakultät für Design von den Räumen in der Infanteriestraße. Im nächsten Jahr zieht sie in ein neues Gebäude in der Lothstraße 17.

 

Weitere Informationen: Die Einzelprojekte der AbsolventInnen sind auf der Webseite der Jahresausstellung 2017 einzusehen.

 

 

Christiane Taddigs-Hirsch

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