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Dr. Isabelle Riedlinger erhält Genderpreis
Forschung beleuchtet Motive von Pflegefachkräften für einen Wechsel in die Zeitarbeit
22/01/2026
Warum wechseln Pflegekräfte von einer Festanstellung in die Zeitarbeit? Welche Rolle spielen Fachkräftemangel, Arbeitsdruck und Geschlechterrollen? Dr. Isabelle Riedlinger von der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften untersuchte diese Fragen in ihrer Dissertation an der Hochschule München und der Universität Hamburg. Riedlingers Forschung zeigt: Anders als in anderen Branchen eröffnet die Zeitarbeit Pflegekräften viele Vorteile gegenüber einer festen Anstellung. Auf einem Arbeitsmarkt mit Fachkräftemangel können Pflegekräfte über Agenturen Einsatzorte, Arbeitszeiten und Löhne flexibler verhandeln. Kliniken und Pflegeheime benötigen qualifiziertes Personal, um gesetzliche Fachkraftquoten zu erfüllen, deshalb müssen sie auf Zeitarbeitsagenturen zurückgreifen. Festangestellte sind dagegen an ihre Einrichtungen gebunden und haben weniger Verhandlungsmacht.
Ein weiblich geprägtes Berufsfeld
Rund 82 % der Pflegekräfte waren laut der Statistik der Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2025 Frauen. Die historisch verankerte und strukturelle Abwertung weiblich typisierter Carearbeit führt zu einer schlechteren Bezahlung. Darüber hinaus zeigt sich eine hohe Selbstverpflichtung zur guten Pflege trotz Zeitdruck und Personalmangel. Die Lücken im Dienstplan werden im Team kompensiert, zulasten der Erholungszeit. Unzuverlässige Dienstpläne, hohe Arbeitsbelastung und geringe Anerkennung führen zu Unzufriedenheit bei den Pflegekräften.
Zeitarbeit bietet planbare Arbeitszeiten, höhere Löhne und mehr Selbstbestimmung – eine Form von Emanzipation. Strukturelle Probleme werden jedoch nicht überwunden: Pflege wird zunehmend marktorientiert, und grundlegende Herausforderungen wie Fachkräftemangel und hohe Belastung bleiben bestehen.
Auszeichnung der Forschung
Riedlinger untersuchte die Motive für den Wechsel in die Zeitarbeit mit einem Methoden-Mix, u.a mit Interviews mit Pflegefachkräften aus der Zeitarbeit und qualitativen Betriebsfallstudien von vier Pflegeeinrichtungen. Für ihre differenzierte Analyse erhielt sie den Genderpreis der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg. Das Preisgeld beträgt 1.200 Euro. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr. Wolfgang Menz und Prof. Dr. Gabriele Fischer.
Svenja Killius