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Isabelle Riedlinger erhält Genderpreis
Forschung beleuchtet Motive von Pflegefachkräften für einen Wechsel in die Zeitarbeit
22/01/2026
Warum wechseln Pflegekräfte von einer Festanstellung in die Zeitarbeit? Welche Rolle spielen Fachkräftemangel, Arbeitsdruck und Geschlechterrollen? Isabelle Riedlinger untersuchte diese Fragen in ihrer Dissertation an der Hochschule München und der Universität Hamburg. Riedlingers Forschung zeigt: Anders als in anderen Branchen eröffnet die Zeitarbeit Pflegekräften viele Vorteile gegenüber einer festen Anstellung. Auf einem Arbeitsmarkt mit Fachkräftemangel können Pflegekräfte über Agenturen Einsatzorte, Arbeitszeiten und Löhne flexibler verhandeln. Kliniken und Pflegeheime benötigen qualifiziertes Personal, um gesetzliche Fachkraftquoten zu erfüllen, deshalb müssen sie auf Zeitarbeitsagenturen zurückgreifen. Festangestellte sind dagegen an ihre Einrichtungen gebunden und haben weniger Verhandlungsmacht.
Ein weiblich geprägtes Berufsfeld
Rund 80 bis 84 % der Pflegekräfte sind Frauen. Die historisch verankerte und strukturelle Abwertung weiblich typisierter Carearbeit führt die zu einer schlechteren Bezahlung. Der hohe Frauenanteil führt zu durchschnittlich schlechterer Bezahlung in der Pflege: Darüber hinaus zeigt sich eine hohe Selbstverpflichtung zur guten Pflege trotz Zeitdruck und Personalmangel. Die Lücken im Dienstplan werden im Team kompensiert, zulasten der Erholungszeit. Unzuverlässige Dienstpläne, hohe Arbeitsbelastung und geringe Anerkennung führen zu Unzufriedenheit bei den Pflegekräften. wie Selbstaufopferung und Fürsorge zu Zeitdruck, unzuverlässigen Dienstplänen und geringer Anerkennung.
Zeitarbeit bietet planbare Arbeitszeiten, höhere Löhne und mehr Selbstbestimmung – eine Form von Emanzipation. Strukturelle Probleme werden jedoch nicht überwunden: Pflege wird zunehmend marktorientiert, und grundlegende Herausforderungen wie Fachkräftemangel und hohe Belastung bleiben bestehen.
Auszeichnung der Forschung
Riedlinger untersuchte die Motive für den Wechsel von in die Zeitarbeit mit einem Methoden-Mix, u.a mit Interviews mit Pflegefachkräften aus der Zeitarbeit und qualitativen Betriebsfallstudien von vier Pflegeeinrichtungen. Für ihre differenzierte Analyse erhielt Isabelle Riedlinger den Genderpreis der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg. Das Preisgeld beträgt 1.200 Euro. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr. Wolfgang Menz und Prof. Dr. Gabriele Fischer.
Svenja Killius