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„Pflegerisches Handeln neu denken“
Von der ersten Modularbeit bis zur Zeitschrift: Im Interview spricht eine Anna Schindler, Studierende des Master ANP, über Herausforderungen, Durchhaltevermögen – und den Wert von Feedback.
14/04/2026
Was als Modularbeit begann, endete in einer wissenschaftlichen Publikation: Im Interview berichtet Anna Schindler, Studierende des berufsbegleitenden Master Advanced Nursing Practice -Studiengangs der Hochschule München, wie sie bereits im ersten Semester eine Studie zu Motivational Interviewing in der Geburtshilfe verfasste. Im Interview mit dem Weiterbildungszentrum (WBZ) spricht Sie über ihre Motivation, die Unterstützung durch Prof. Dr. Boldt und gibt wertvolle Tipps für alle, die früh im Studium publizieren möchten.
WBZ: Was hat Sie dazu motiviert, sich für eine Weiterbildung an der Hochschule München zu entscheiden?
Schindler: Ich wollte pflegerisches Handeln neu denken – wissenschaftlich fundiert, praxisnah und mit Raum für individuelle Entwicklung. Der berufsbegleitende APN-Studiengang der Hochschule München bot dafür den idealen Rahmen: keine enge Spezialisierung, sondern die Freiheit, eigene Schwerpunkte zu setzen und sich fachlich wie persönlich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig ließ sich das Studium gut mit der Berufstätigkeit vereinbaren – ein entscheidender Pluspunkt für die praktische Umsetzung.
WBZ: Wie kam es dazu, dass Sie bereits im ersten Semester eine so umfangreiche Arbeit wie diese Publikation verfasst haben? Gab es einen bestimmten Impuls oder eine Motivation?
Schindler: Das Thema hat mich schon lange begleitet – beruflich wie persönlich. Während meiner Arbeit auf einer Entbindungsstation nach dem Bachelorabschluss wurde mir bewusst, wie wenig Beachtung die psychische Gesundheit im somatischen Setting oft findet. Diese Lücke wollte ich schließen. Die Methode des Motivational Interviewing hat mich dabei besonders fasziniert. Dass daraus schließlich eine Publikation entstand, war eine logische Konsequenz: Das Thema ist gesellschaftlich relevant, wissenschaftlich solide und für mich persönlich bedeutsam – das perfekte Dreieck für nachhaltige Motivation.
WBZ: Ihre Studie zeigt, dass Motivational Interviewing bei Schwangeren Ängste reduzieren und die Selbstwirksamkeit stärken kann. Was sind die zentralen Erkenntnisse – und was bedeuten sie für die geburtshilfliche Pflege?
Schindler: Motivational Interviewing kann perinatale Ängste verringern und das Selbstwirksamkeitserleben von Schwangeren – gerade in Bezug auf die Entscheidung zur vaginalen Geburt – stärken. Viele Frauen erleben unter der Geburt einen steigenden Interventionsdruck. Eine respektvolle, personzentrierte Gesprächsführung kann hier entscheidend sein: Sie verbessert nicht nur das Geburtserleben, sondern beugt auch postpartalen psychischen Belastungen vor. Pflegefachpersonen können durch gezielte Kommunikation emotionale Ressourcen aktivieren – ein bislang unterschätzter Beitrag zu mehr Selbstbestimmung, Sicherheit und positiven Geburtserfahrungen.
WBZ: Wie wurde aus einer Modularbeit eine wissenschaftliche Publikation? Welche Schritte waren ausschlaggebend?
Schindler: Der Wendepunkt war der Perspektivwechsel: Die Modularbeit nicht nur als Prüfungsleistung, sondern als Beitrag zur Praxisentwicklung zu begreifen. Gemeinsam mit meiner Dozentin, Frau Prof. Dr. Boldt, habe ich eine passende Fachzeitschrift gefunden und den Text gezielt überarbeitet. Der enge Austausch mit Kommilitoninnen und das strukturierte Feedback haben die Arbeit dann weiter geschärft – inhaltlich wie formal.
WBZ: Wie haben Sie die Betreuung durch die Hochschule und insbesondere durch Ihre Zweitautorin Prof. Dr. Boldt erlebt?
Schindler: Die Zusammenarbeit war von Beginn an offen und vertrauensvoll. Frau Prof. Dr. Boldt hat mir Raum gegeben, meine Ideen auszuarbeiten, und gleichzeitig Orientierung durch ihre wissenschaftliche Erfahrung geboten. Besonders schätze ich ihre Fähigkeit, wissenschaftliche Tiefe mit Praxisnähe zu verbinden – diese Balance war entscheidend für das Gelingen der Publikation.
WBZ: Was war die größte Herausforderung auf dem Weg zur Publikation?
Schindler: Komplexe Inhalte präzise und verständlich auf den Punkt zu bringen. Wissenschaftlich zu schreiben heißt, Gedanken klar zu strukturieren, sprachlich zu verdichten – und dabei Geduld zu bewahren. Der Publikationsprozess verlangt Sorgfalt bis ins Detail, gerade bei formalen und stilistischen Anforderungen.
WBZ: Wie hat das Studium an der Hochschule München Sie dabei unterstützt, eine so fundierte Arbeit zu verfassen?
Schindler: Das Studium hat mir früh gezeigt, wie zentral wissenschaftliches Arbeiten für die Pflegepraxis ist. Kritisches Denken, systematische Recherche und der Transfer von Erkenntnissen in die Praxis werden konsequent gefördert. Die modulare Struktur – Theorie und Anwendung eng verzahnt – hat mich besonders geprägt und direkt auf die Qualität meiner Arbeit ausgewirkt.
WBZ: Welchen Rat geben Sie Studierenden, die ebenfalls früh im Studium publizieren möchten?
Schindler: Greift Themen auf, die euch wirklich interessieren – denn echte Begeisterung trägt durch alle Hürden. Perfektion ist am Anfang nicht nötig. Entscheidend ist, dranzubleiben, Feedback anzunehmen und sich mit Lehrenden und Mitstudierenden auszutauschen. Wer früh beginnt, sammelt nicht nur fachlich, sondern auch persönlich wertvolle Erfahrung.
WBZ: Welche Bedeutung hat die Publikation für Ihre weitere Laufbahn?
Schindler: Sie hat mein berufliches Selbstverständnis enorm gestärkt. Ich sehe mich heute klarer als Teil der Pflegeentwicklung und bin motiviert, diesen Weg fortzusetzen. Fachlich haben sich neue Möglichkeiten ergeben – vor allem aber hat sich mein Anspruch an die Qualität pflegerischen Handelns geschärft. Das ist für mich der größte Gewinn.