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„Forschung muss den Menschen zugänglich gemacht werden“
Warum Wissenschaft auf die Bühne gehört und Science Slams mehr sind als Unterhaltung: Patrick Hanisch im Interview
08/07/2026
Ob auf der Bühne oder im Labor: Patrick Hanisch weiß, wie man Wissenschaft verständlich vermittelt. Der wissenschaftliche Mitarbeiter an der HM-Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen erforscht, wie Bakterien schwer abbaubare Azofarbstoffe aus Industrieabwässern zersetzen können.
Seit seinem ersten Auftritt beim Applied Science Slam der HM im Wintersemester 2023/24 hat er seine Forschung bereits bei rund 20 Science Slams in Deutschland sowie in Österreich präsentiert – und bald auch in der Schweiz. Im Interview spricht er darüber, wie aus komplexer Forschung eine spannende Geschichte wird und warum Wissenschaft Menschen nicht nur erreichen, sondern begeistern sollte.
HM: Herr Hanisch, Sie erforschen, wie Bakterien Azofarbstoffe abbauen können. Worum geht es dabei genau – und warum ist dieses Thema gesellschaftlich relevant?
Patrick Hanisch: Wir untersuchen, wie Bakterien bestimmte Farbstoffe aus der Industrie abbauen können, die beispielsweise in der Textilproduktion eingesetzt werden und in das Abwasser gelangen. Diese sogenannten Azofarbstoffe sind nur schwer zersetzbar. Uns interessiert, welche Bakterien dazu in der Lage sind und wie dieser Prozess funktioniert, damit man ihn gezielt für die industrielle Abwasserreinigung nutzen kann. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil es um saubereres Wasser geht, um den Schutz unserer Wasserressourcen und auch um Kreislaufwirtschaft, also darum, Wasser nachhaltiger zu nutzen und weniger Schadstoffe in die Umwelt gelangen zu lassen.
Wie gelingt es Ihnen, ein komplexes Forschungsthema so aufzubereiten, dass auch Menschen ohne wissenschaftlichen Hintergrund gerne zuhören?
Patrick Hanisch: Im Grunde geht es darum, eine Geschichte zu erzählen: Wo liegt das Problem? Warum ist das relevant? Und welche Lösung versucht die Forschung zu finden? Man muss den Leuten zuerst aufzeigen, wie die eigene Forschung ihr Leben betrifft und beeinfluss kann. Bei Azofarbstoffen ist das ziemlich leicht, weil sie uns im Alltag ständig begegnen – etwa in Textilien oder Lebensmitteln, ohne dass wir es überhaupt bemerken. Auch mögliche Risiken lassen sich anhand konkreter Beispiele erklären, etwa dass einige Abbauprodukte von Azofarbstoffen teilweise im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Erst danach erzähle ich, was ich im Labor eigentlich mache und wie ich vorgehe. Das ist natürlich alles auf einem einfachen Niveau gehalten, aber das reicht vollkommen aus.
Science Slams verbinden Unterhaltung mit Forschung. Warum brauchen Wissenschaft und Gesellschaft solche Formate?
Patrick Hanisch: Viele Forschungsgebiete sind für die Gesellschaft hochrelevant. Das Problem ist nur: Die meisten Menschen wissen gar nicht, dass es sie gibt. Science Slams sind daher eine hervorragende Form der Wissenschaftskommunikation, um zu zeigen, woran wir als Forschende in unseren Laboren und an Hochschulen überhaupt arbeiten. Forschung muss den Menschen zugänglich gemacht werden. Die wenigsten setzen sich hin und lesen wissenschaftliche Publikationen – selbst dann nicht, wenn sie das Thema eigentlich interessiert.
Was begeistert Sie persönlich daran, Ihre Forschung nicht nur im Labor, sondern auch auf einer Bühne zu präsentieren?
Patrick Hanisch: Besonders schön finde ich die Reaktionen des Publikums. Es macht Spaß zu sehen, wenn Menschen plötzlich einen „Aha“-Moment haben und merken, dass Wissenschaft auch spannend und verständlich sein kann. Genauso freue ich mich, wenn sie über bestimmte Aspekte lachen, diskutieren oder nach dem Vortrag noch Fragen stellen.
Das Interview führte Lisa Miethke