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Reden rettet Leben
Der KI-Chatbot AidMax hört zu, wenn niemand da ist
15/07/2026
Etwa 5 bis 12 Prozent der Jugendlichen in Deutschland erkranken an einer Depression, die oft erst spät erkannt wird. Sie zögern ift sich jemandem anzuvertrauen – aus Unsicherheit, Scham oder weil Angebote fehlen. Genau hier setzt AidMax an: Ein KI-gestützter Chatbot, der anonym, niedrigschwellig und rund um die Uhr eine erste Unterstützung in psychischen Krisen bieten soll. Entwickelt wurde das System von HM-Doktorand Korbinian Zacherl. Auslöser für seine Idee war der Suizid einer Jugendlichen in seinem Umfeld, die bereits therapeutische Hilfe erhalten hatte.
Erste Hilfe per Chat
Nach diesem Schicksalsschlag stellte sich für Zacherl vor allem eine Frage: Wie kann Unterstützung jederzeit verfügbar sein, auch außerhalb von Therapiesitzungen oder in akuten Belastungssituationen? Die Antwort darauf entwickelte er mit AidMax im Rahmen seiner Masterarbeit im Studiengang Wirtschaftsinformatik an der Fakultät für Informatik und Mathematik. „Ich wollte eine Plattform schaffen, die künstliche Intelligenz und Empathie verbindet und zuhört, wenn sonst niemand da ist“, beschreibt Zacherl seine Motivation. AidMax kann über gängige Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Telegram genutzt werden. Jugendliche können dort ohne Registrierung ihre Gedanken teilen und erhalten unmittelbar eine Antwort. Bei der Entwicklung arbeitete Zacherl eng mit Psychologinnen und Psychologen zusammen und es flossen praxisbasierte Erkenntnisse aus der Krisenberatung ein.
Im Ernstfall, z.B. bei suizidalen Gedanken, benachrichtigt das System ein Netzwerk aus geschulten Ehrenamtlichen und therapeutischen Fachkräften.
Jemand aus dem Team übernimmt dann den Chat mit der betroffenen Person und leistet mentale erste Hilfe. Dabei entscheidet der User selbst, ob er weiterhin anonym bleiben möchte.
KI-gestützte Sprachanalyse für individuelle Unterstützung
Seit seiner Masterarbeit entwickelt Zacherl sein gemeinnütziges Start-up kontinuierlich weiter. Inzwischen ist AidMax Teil des Vereins IHelp-Project e. V., den der Vater der verstorbenen Jugendlichen zusammen mit ihr gründete. Bei Tests mit rund 50 Personen sowie Einsätzen im schulischen Kontext gab es viele positive Rückmeldungen. Die Jugendlichen empfanden es als hilfreich, jederzeit jemanden zum Schreiben zu haben und sich mit ihren Problemen weniger allein zu fühlen. Aktuell arbeitet das Team an einer eigenen App, die zusätzliche Funktionen bieten soll, beispielsweise tägliche Check-ins, angeleitete Übungen und personalisierte Unterstützung. Auch die Integration und Analyse von Sprachnachrichten ist geplant. Dazu möchte Zacherl im Rahmen seiner Promotion am Promotionszentrum Angewandte Informatik an der HM in Kooperation mit der OTH Regensburg eine KI-Sprachanalyse entwickeln. Diese soll an der Stimme erkennen, ob die nutzende Person beispielsweise traurig oder angespannt klingt und entsprechend reagieren.
Ethische Standards und wissenschaftliche Evaluierung
Die Doktorarbeit legt ein besonderes Augenmerk auf die ethische Gestaltung der KI. Jedes neue Feature wird unter der Betreuung von HM-Professor Markus Endres wissenschaftlich begleitet und evaluiert und mit Fachleuten aus Ethik, Psychologie und Datenschutz abgestimmt. Mittlerweile engagieren sich rund 30 Ehrenamtliche bei AidMax. Unterstützung erhält das Team außerdem durch das Incubation Program des Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE).
Langfristig soll AidMax in ganz Europa eingesetzt werden. Zacherls Vision: „Kein Mensch soll sich in einer psychischen Notlage je wieder allein fühlen müssen.“
Heidi Bundschus