Macht KI uns faul?
KI macht nicht faul. Sie unterstützt bei einigen Aufgaben wie etwa journalistischen Texten, ärztlichen Diagnosen oder Hausaufgaben. Damit schafft sie wichtige Freiräume für kritisches Denken, Austausch und persönliche Betreuung.
Entscheidend ist die gezielte Art des Einsatzes.
Dazu arbeitet HM-Professorin Dr. Katja Stoppenbrink von der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften.
Für welche Aufgaben ist der Einsatz von KI sinnvoll – und wo sollte man besser darauf verzichten?
KI kann uns bei immens vielen Aufgaben unterstützen, zum Beispiel bei Pressemitteilungen, ärztlichen Diagnosen oder Schulaufgaben. Viele Potenziale von KI haben wir noch gar nicht erkannt! Wir sollten aber Bedingungen für verantwortlichen KI-Einsatz definieren und uns nicht in neue Abhängigkeiten hineinbegeben, die wir eines Tages bereuen. Überall, wo es um die Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen, um künstlerische Kreativität, Urteilsfindung und Bewertung von menschlichen Leistungen geht, wie zum Beispiel vor Gericht, in der Uni oder bei der Personalauswahl, sollten wir besonders vorsichtig sein. Das heißt nicht, dass es nicht tolle KI-basierte Kunst geben dürfte! Die Verantwortung für Prozesse und Produkte muss aber weiterhin bei Menschen liegen.
Was raten Sie Menschen, deren Arbeit sich durch KI stark verändert oder sogar wegfällt?
Wir sehen aktuell Wirkungen von KI, die uns zu überwältigen drohen und die wir zu unseren Lebzeiten so bislang nicht erlebt haben. Das betrifft auch geringere Neueinstellungen und höhere Arbeitslosigkeit in der Folge von KI-Einsatz. Im Gegensatz zu anderen Ländern leben wir in Deutschland in einer sozialen Marktwirtschaft. Das bedeutet: Betroffene sollen aufgefangen werden und Chancen für Umorientierung und Neuanfänge erhalten. Es ist wichtig, dass wir diese Grundprinzipien nicht in Frage stellen und unseren Sozialstaat zukunftssicher machen. KI-Kompetenzbildung wird für uns alle zur Lebensaufgabe. In vielen Bereichen wie z.B. Medien oder Medizin ersetzt KI nicht völlig menschliche Tätigkeit, sondern ergänzt diese. Es ist wichtig, sich selbst den Herausforderungen durch KI zu stellen und Kompetenzen aufzubauen. Individuen sind hierfür auf zeitgemäße Angebote von Institutionen wie Volkshochschulen und Verbände angewiesen. Unsere Bildungsinstitutionen müssen wir so gestalten, dass sie uns allen die erforderlichen KI-Kompetenzen vermitteln können.
Welche Regeln braucht es für den Einsatz von KI, und wer sollte sie aus Ihrer Sicht festlegen und kontrollieren?
Die EU-KI-Verordnung (KI-VO) versucht bereits einen verantwortlichen Einsatz von KI zu gewährleisten. Dazu gehören etwa die Einteilung von Risikoklassen, besondere Anforderungen an sogenannte „Hochrisiko-KI-Systeme“ und die Maßgabe, dass Anbieter und Betreiber von KI-Systemen die erforderliche Kompetenzvermittlung gewährleisten sollen (Art. 4 KI-VO). Die EU geht hier, ähnlich wie beim Datenschutz, einen eigenen Weg. Sie strebt ein hohes Schutzniveau an und will Risiken vermindern. Das ist aus technikethischer Perspektive im Grundsatz völlig richtig. Doch müssen wir immer prüfen, ob der rechtliche Rahmen nicht doch überzogen, veraltet oder sogar schädlich ist. Ethische Verantwortlichkeit impliziert Reformfähigkeit!
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